von Jason Wasserman MD PhD FRCPC und Zuzanna Gorski MD
11. Juni 2025
Das papilläre Urothelkarzinom ist eine Krebsart, die sich aus spezialisierten Zellen entwickelt, die die Innenseite der Harnwege auskleiden. Zu den Harnwegen gehören die Nieren, Harnleiter, die Blase und die Harnröhre. Die meisten Tumoren treten in der Blase auf, diese Krebsart kann jedoch überall entlang der Harnwege auftreten. Der Tumor heißt papillär weil es in fingerartigen Fortsätzen wächst, die von der Innenfläche der Harnwege ausgehen.
Pathologen klassifizieren diese Krebsart in zwei Hauptkategorien: nicht-invasiv und invasiv. Nicht-invasive Tumoren verbleiben in der Oberflächenauskleidung (Urothel), während invasive Tumoren in tiefere Gewebeschichten hineinwachsen. Die Feststellung, ob der Tumor invasiv ist, ist entscheidend, da nicht-invasive Tumoren in der Regel allein durch eine Operation heilbar sind, während invasive Tumoren in der Regel zusätzliche Behandlungen erfordern.

Die Harnwege dienen dazu, Abfallstoffe und überschüssiges Wasser über den Urin aus dem Körper zu entfernen. Sie bestehen aus folgenden Teilen:
Nieren: Zwei Organe, die das Blut filtern, um Urin zu bilden.
Harnleiter: Röhren, die den Urin von den Nieren zur Blase transportieren.
Blase: Ein Muskelorgan, das den Urin speichert, bis er uriniert.
Harnröhre: Ein Schlauch, durch den der Urin den Körper verlässt.
Die innere Oberfläche der Harnwege ist mit einer speziellen Auskleidung aus Urothelzellen, wodurch eine Schutzbarriere namens Urothel entsteht.
Zu den häufigsten Symptomen eines papillären Urothelkarzinoms gehören:
Blut im Urin (Hämaturie), wodurch der Urin rosa, rot oder braun erscheint.
Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen (Dysurie).
Häufiges oder dringendes Wasserlassen.
Beschwerden oder Schmerzen im Unterleib.
Die Symptome können von Person zu Person unterschiedlich sein und bei manchen treten anfangs möglicherweise nur sehr leichte oder überhaupt keine Symptome auf.
Es ist bekannt, dass bestimmte Faktoren das Risiko für die Entwicklung eines papillären Urothelkarzinoms erhöhen:
Tabakrauch (der bedeutendste bekannte Risikofaktor).
Exposition gegenüber bestimmten schädlichen Chemikalien, darunter Opium, Farbstoffe auf Benzidinbasis, aromatische Amine, Arsen und Aristolochiasäure aus pflanzlichen Arzneimitteln, die Aristolochia-Pflanzen enthalten.
Chronische (langfristige) Blasenentzündung oder -reizung durch Infektionen wie den Parasiten Schistosoma haematobium und langfristige Verwendung von Harnkathetern.
Medizinische Behandlungen wie Beckenbestrahlung oder Chemotherapeutika (z. B. Chlornaphazin, Cyclophosphamid).
Pathologen klassifizieren papilläre Urothelkarzinome in niedriggradige und hochgradige, basierend darauf, wie die Tumorzellen unter dem Mikroskop erscheinen.
Niedriggradige Tumoren: Die Zellen ähneln normalen Urothelzellen. Diese Tumoren wachsen im Allgemeinen langsam und haben ein geringeres Risiko, invasiv zu werden oder sich auszubreiten.
Hochgradige Tumoren: Die Zellen erscheinen abnormaler – größer, dunkler und weniger organisiert. Diese Tumoren sind aggressiver, wachsen schneller und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, in tiefere Gewebeschichten einzudringen und sich über ihren ursprünglichen Ort hinaus auszubreiten.
Der Grad ist wichtig für die Vorhersage des Tumorverhaltens, des Rezidivrisikos und der Behandlungsentscheidungen.
Nicht-invasive Tumoren beschränken sich auf das Urothel, die innere Auskleidung der Harnwege. Diese Tumoren dringen nicht in tiefere Gewebe ein und können sich nicht auf Lymphknoten oder entfernte Stellen ausbreiten. Nicht-invasive Tumoren können in der Regel allein durch eine chirurgische Entfernung geheilt werden.

Invasive Tumoren haben sich über das Urothel hinaus in tiefere Schichten wie die Lamina propria oder die Muscularis propria (Muskel) ausgebreitet. Invasive Tumoren können sich potenziell auf Lymphknoten und entfernte Organe ausbreiten und erfordern daher eine umfassendere Behandlung, die über eine Operation hinausgeht.
Bei der Identifizierung invasiver Tumoren untersuchen Pathologen sorgfältig, wie tief die Tumorzellen eingedrungen sind. Die Invasionstiefe hilft, das Krebsstadium zu bestimmen und beeinflusst weitere Behandlungsstrategien.

Die Diagnose umfasst normalerweise mehrere Schritte:
Urinuntersuchung (Urinzytologie): Untersuchung von Urinproben unter dem Mikroskop auf Krebszellen.
Biopsie: Entnahme einer kleinen Gewebeprobe, häufig durch ein Verfahren namens Zystoskopie, um die Diagnose mikroskopisch zu bestätigen.
Transurethrale Resektion eines Blasentumors (TURBT): Ein Verfahren zur Entfernung des gesamten sichtbaren Tumors aus der Blase, das sowohl eine Diagnose als auch eine Behandlung ermöglicht.
Teil- oder Vollresektion: Bei größeren oder invasiven Tumoren kann eine umfangreichere chirurgische Entfernung erforderlich sein.
Die Muscularis propria ist die dicke Muskelschicht in der Blasenwand. Bei der Entfernung von Tumoren entnehmen Ärzte häufig eine Probe dieses Muskelgewebes, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Dieser Schritt ist entscheidend, da Pathologen feststellen müssen, ob Krebszellen in den Muskel eingedrungen sind. Die Feststellung einer Muskelinvasion beeinflusst maßgeblich die Behandlungsoptionen und die Prognose. Ihr Pathologiebericht gibt in der Regel Auskunft darüber, ob die Muscularis propria eingeschlossen und untersucht wurde.
Das pathologische Stadium beschreibt, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Es basiert auf dem TNM-System des American Joint Committee on Cancer. Dieses System berücksichtigt:
T (Tumor): Die Tiefe und Ausdehnung des Tumors Invasion.
N (Knoten): Das Vorhandensein oder Fehlen von Krebszellen in nahegelegenen Lymphknoten.
M (Metastasen): Ob sich der Krebs auf entfernte Bereiche des Körpers ausgebreitet hat.
Das Tumorstadium beschreibt, wie tief die Krebszellen eingedrungen sind:
Ta: Nicht-invasive Tumoren, die auf das Urothel beschränkt sind.
T1: Tumorzellen sind in die Lamina propria direkt unter dem Urothel eingedrungen.
T2: Tumorzellen sind in die Muscularis propria (Blasenmuskel) eingedrungen.
T3: Tumorzellen sind in das umgebende Fettgewebe rund um die Blase (perivesikales Gewebe) eingedrungen.
T4: Der Tumor hat sich auf nahegelegene Strukturen wie Prostata, Gebärmutter oder Beckenwand ausgebreitet.
Dies beschreibt Lymphknoten Beteiligung:
N0: In keinem der untersuchten Lymphknoten wurden Krebszellen gefunden.
N1: In einem Beckenlymphknoten wurden Krebszellen gefunden.
N2: In mehreren Beckenlymphknoten wurden Krebszellen gefunden.
N3: Es wurden Krebszellen in Lymphknoten außerhalb des Beckens (gemeinsame Beckenlymphknoten) gefunden.
NX: Es wurden keine Lymphknoten eingesandt oder untersucht.
Höhere Stadien weisen typischerweise auf eine fortgeschrittenere Erkrankung hin und können zusätzliche oder aggressivere Behandlungsansätze erfordern.
Ist mein Tumor invasiv oder nicht-invasiv?
Welchen Grad und welches Stadium hat mein Tumor und welche Auswirkungen hat dies auf meine Prognose und Behandlung?
Welche Behandlungen benötige ich gegebenenfalls zusätzlich zur Operation?
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein Tumor wiederkehrt, und wie oft sollte ich zur Nachuntersuchung gehen?
Kann mein Tumor mit der Zeit aggressiver werden?
Gibt es Änderungen im Lebensstil oder Vorsichtsmaßnahmen, die ich ergreifen kann, um das Risiko eines erneuten Auftretens zu verringern?
Sollten meine Familienmitglieder auf diese Art von Krebs untersucht werden?
Welche Symptome oder Anzeichen erfordern eine sofortige ärztliche Behandlung?