FLI1 (Friend Leukemia Integration 1) ist ein Protein, das von einem Gen auf Chromosom 11 produziert wird. Es gehört zur Familie der ETS-Transkriptionsfaktoren, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Zellwachstum, -differenzierung und -entwicklung spielen. Pathologen testen häufig auf FLI1, um bestimmte Krebsarten, insbesondere Ewing-Sarkom und Gefäßtumoren, zu diagnostizieren.
In normalem, gesundem Gewebe kommt FLI1 häufig in folgenden Geweben vor:
Endothelzellen, die die Blutgefäße auskleiden
T- und B-Lymphozyten, die wichtige Bestandteile des Immunsystems sind
Pathologen führen einen Test namens Immunhistochemie (IHC) durch, um FLI1 in Gewebeproben zu identifizieren. Dabei wird ein spezieller Antikörper eingesetzt, der an das FLI1-Protein in den Zellkernen (dem zentralen Teil der Zellen, der genetisches Material enthält) bindet. Ist FLI1 vorhanden, färben sich die Zellkerne unter dem Mikroskop deutlich. Ein Ergebnis gilt als positiv, wenn mindestens 10 % der Tumorzellen eine Kernfärbung aufweisen, wobei der Anteil in der Regel höher ist (oft über 50 %).
Zusätzlich zur Immunhistochemie können Pathologen molekulare Tests wie Next-Generation-Sequenzierung (NGS) oder Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) durchführen, um gezielt nach genetischen Veränderungen im FLI1-Gen zu suchen. Beispielsweise weist das Ewing-Sarkom häufig eine Genfusion namens EWS-FLI1 auf, die aus der Kombination des EWS-Gens auf Chromosom 22 und des FLI1-Gens auf Chromosom 11 resultiert. Der Nachweis dieser Fusion durch molekulare Tests trägt zur Bestätigung der Diagnose eines Ewing-Sarkoms bei, insbesondere in Fällen, die sich allein aufgrund des mikroskopischen Erscheinungsbilds nur schwer von anderen Tumorarten unterscheiden lassen.
FLI1 wird in verschiedenen Tumorarten exprimiert, darunter:
Ewing-Sarkom / Primitiver neuroektodermaler Tumor (PNET): Etwa 90 % dieser Tumoren exprimieren FLI1, wodurch dieser Marker nützlich ist, um das Ewing-Sarkom von anderen ähnlich aussehenden Tumoren zu unterscheiden.
Gefäßtumoren: Etwa 94 % der gutartigen und bösartigen Gefäßtumoren (wie Angiosarkome und Hämangioendotheliome) exprimieren FLI1.
Astrozytome (Hirntumore): Eine mäßige bis starke Färbung ist häufig (81 %), insbesondere bei Tumoren mit höherem Grad (Grad III und IV).
Lymphoblastisches Lymphom: Etwa 85 % dieser Tumoren exprimieren FLI1, mit variabler Expression bei anderen Lymphomtypen.
Melanom: Ungefähr 50 % exprimieren FLI1, aber nur ein kleiner Prozentsatz (4 %) zeigt eine starke Färbung.
Merkelzellkarzinom: Häufig positiv (90%).
Epitheloides Sarkom: Hohe Expressionsfrequenz (93 %).
Mesotheliom: Fast immer positiv (95 %).
Zu den Tumoren, die typischerweise negativ auf FLI1 reagieren, gehören:
Desmoplastischer kleiner rundzelliger Tumor
Blastem-dominanter Wilms-Tumor
Kleinzelliges Osteosarkom
Keimzelltumoren
Tumoren, die aus Muskel-, Nerven- und Fibroblastenzellen entstehen
Diese Unterscheidung ist für Pathologen wichtig, um eine genaue Diagnose zu stellen, da einige dieser negativen Tumoren unter dem Mikroskop ähnlich wie Ewing-Sarkom aussehen können.
Pathologen interpretieren FLI1-Ergebnisse auf der Grundlage des Vorhandenseins einer Kernfärbung in Tumorzellen:
Positives Ergebnis: Mindestens 10 % der Tumorzellen weisen eine Kernfärbung auf (häufig > 50 %). Dies deutet auf die Diagnose eines Ewing-Sarkoms oder eines Gefäßtumors hin.
Negatives Ergebnis: Weniger als 10 % der Tumorzellen weisen eine Färbung auf, oder es ist keine Färbung sichtbar. Dies hilft, bestimmte Krebsarten auszuschließen und führt Pathologen zu anderen Diagnosen.
Da FLI1 in mehreren Tumorarten exprimiert werden kann, sind zur Bestätigung der Diagnose häufig zusätzliche Tests erforderlich (z. B. molekulare Tests auf spezifische genetische Veränderungen wie das EWS-FLI1-Fusionsgen).
Die Expressionsniveaus von FLI1 können bei einigen Krebsarten eine prognostische Bedeutung haben:
Astrozytome: Eine hohe FLI1-Expression ist mit einer schlechteren Prognose verbunden.
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom: Eine erhöhte FLI1-Expression ist mit einem schlechteren Ergebnis verbunden.
Endometriumkarzinom: Eine Überexpression von FLI1 sagt eine ungünstige Prognose voraus.
Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die Messung der FLI1-Expression dabei helfen könnte, vorherzusagen, wie aggressiv bestimmte Krebsarten sein könnten.
Wurde mein Tumor auf FLI1 getestet und was war das Ergebnis?
Welchen Einfluss hat mein FLI1-Testergebnis auf meine Diagnose?
Hat ein positives FLI1-Ergebnis Auswirkungen auf meine Behandlungsmöglichkeiten?
Sind zusätzliche Tests erforderlich, um meine Diagnose zu bestätigen?
Hat das Vorhandensein oder Fehlen von FLI1 Auswirkungen auf meine Prognose oder die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Krebs ausbreitet oder wiederkehrt?