S100 ist der Name einer Proteinfamilie, die in bestimmten Körperzellen vorkommt. Diese Proteine helfen Zellen, auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren, indem sie Prozesse wie Wachstum, Bewegung und Kommunikation regulieren. Der Name „S100“ rührt daher, dass die Proteine in einer Lösung aus 100 % gesättigtem Ammoniumsulfat löslich sind. Es gibt viele Mitglieder der S100-Familie, aber die meisten medizinischen Tests konzentrieren sich auf einen Teil des Proteins, die sogenannte Beta-Kette.
Da S100 in verschiedenen Arten normaler Zellen vorkommt – insbesondere in Nervenzellen und Zellen, die mit der Haut und dem Immunsystem in Zusammenhang stehen – verwenden Pathologen es als Marker zur Diagnose verschiedener Tumoren, insbesondere solcher, die im Nervensystem entstehen oder dieses betreffen. Melanozyten (Pigmentzellen) oder myoepitheliale Zellen (spezialisierte Stützzellen in Drüsen).
S100 kommt normalerweise sowohl im Zytoplasma (dem Bereich um den Zellkern) als auch im Zellkern bestimmter Zellen vor. Zu den wichtigsten normalen Zelltypen, die S100 exprimieren, gehören:
Melanozyten (Zellen, die Pigmente in Haut und Augen produzieren).
Schwann-Zellen (die Nerven bedecken und schützen).
Neuronen und Gliazellen im Gehirn und Rückenmark.
Myoepithelzellen in der Brust, den Speicheldrüsen und den Schweißdrüsen.
Langerhans-Zellen und dendritische Zellen (Arten von Immunzellen).
Chondrozyten (Knorpelzellen).
Adipozyten (Fettzellen).
Da S100 in diesen Zellen vorkommt, ist es auch in vielen gutartigen und bösartigen Tumoren enthalten, die aus ihnen entstehen.
Pathologen testen auf S100 mit einer Methode namens Immunhistochemie (IHC)Bei dieser Technik werden Antikörper eingesetzt, die an das S100-Protein in einer Gewebeprobe binden. Ist S100 vorhanden, verfärbt sich das Gewebe unter dem Mikroskop, sodass Pathologen erkennen können, welche Zellen positiv oder negativ für S100 sind. Ein Ergebnis gilt als positiv, wenn sowohl das Zytoplasma als auch der Zellkern eine Färbung aufweisen.
Das Färbungsmuster – ob stark, schwach, großflächig oder begrenzt – kann Pathologen dabei helfen, die Art des Tumors und sein mögliches Verhalten zu bestimmen.
S100 wird häufig in einer Vielzahl von Tumoren exprimiert, insbesondere in folgenden Tumoren:
Schwannom
Neurofibrom
Bösartiger peripherer Nervenscheidentumor (normalerweise schwach oder fleckig)
Granulomatose
Astrozytom
Oligodendrogliom
Ependymom
Tumoren des Plexus choroideus
Meningeom (insbesondere fibröser Typ)
Langerhans-Zell-Histiozytose
Rosai-Dorfman-Krankheit
Interdigitierende dendritische Zelltumoren
Myoepitheliom
Adenoidzystisches Karzinom
Pleomorphes Adenom
Epithelial-myoepitheliales Karzinom
Metaplastisches Karzinom der Brust
Klarzelliges Weichteilsarkom
Chondroide Tumoren (wie Chondrosarkom)
Chordom (Tumor der Wirbelsäule)
Neuroendokrine Tumoren (Untergruppe)
Da S100 bei vielen Tumorarten positiv sein kann, verwenden Pathologen es häufig zusammen mit anderen Markern, um die Diagnose einzugrenzen.
S100 ist wichtig, da es Pathologen hilft, den Zelltyp eines Tumors zu identifizieren. Dies kann besonders hilfreich sein, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat und der ursprüngliche Ort unklar ist. Zum Beispiel:
Bei einem Tumor, der S100-positiv ist und auch für andere melanozytäre Marker (wie Melan-A) positiv ist, kann die Diagnose Melanom gestellt werden.
Wenn ein Tumor stark und diffus S100-positiv ist, kann es sich um ein Schwannom handeln.
Bei einem Tumor mit fleckiger S100-Positivität kann es sich um einen bösartigen peripheren Nervenscheidentumor handeln.
S100 hilft Pathologen außerdem dabei, Nervenbeteiligungen, Erkrankungen der Langerhans-Zellen oder Tumoren mit myoepithelialer Differenzierung zu erkennen, die möglicherweise andere Behandlungen erfordern.
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